200 km/h, 10 Monate im Flug, schläft mit halber Gehirnhälfte: Der Mauersegler braucht dein Haus
Jeden Sommer jagen sie kreischend durch unsere Stadtzentren — die Mauersegler. Ihre Flugkünste sind unvergleichlich: Im Sturzflug erreichen sie über 200 km/h. Sie schlafen im Flug, mit einer Gehirnhälfte, während die andere den Flug steuert. Und ausserhalb der Brutzeit verbringen sie zehn Monate ununterbrochen in der Luft — ohne je zu landen.
Dann kommen sie zu uns. Für genau zwei Monate im Sommer. Und sie brauchen unser Dach.
Ein Leben in der Luft
Der Mauersegler (Apus apus) ist ein Zugvogel, der die Wintermonate in Südafrika verbringt. Wenn er im Mai zurück in die Schweiz kommt, hat er oft seit zehn Monaten keinen Boden unter den Füssen gehabt. Wissenschaftliche Messungen mit Miniatur-Datenloggern belegen: Einige Individuen landen in dieser Zeit kein einziges Mal.
Sie trinken im Flug (sie streifen mit dem Schnabel über Wasseroberflächen), jagen Insekten im Flug, paaren sich im Flug. Schlafen im Gleitflug, mit unihemisphärischem Schlaf — eine Gehirnhälfte ruht, die andere bleibt wach.
Der einzige Grund, warum sie überhaupt landen: Eier legen und Junge aufziehen.
Das Problem: Gebäudesanierungen
Mauersegler nisten traditionell in Hohlräumen an Gebäuden — unter Dachvorsprüngen, in Spalten hinter Verkleidungen, in Löchern alter Gemäuer. Das war jahrhundertelang kein Problem: Alte Häuser hatten genug Lücken und Ecken.
Dann kam die Dämmwelle.
Mit der energetischen Sanierung von Gebäuden werden genau diese Hohlräume verschlossen. Das geschieht gut gemeint — für das Klima. Aber für die Mauersegler ist es eine Katastrophe. Ein Brutpaar, das seit Jahren das gleiche Loch unter deinem Dach anfliegt, findet beim nächsten Frühling plötzlich nichts mehr.
In vielen Schweizer Städten sind die Mauersegler-Bestände in den letzten 20 Jahren erheblich zurückgegangen. Die Hauptursache: fehlende Nistmöglichkeiten.
Die Lösung: Mauersegler-Nistkasten
Ein Mauersegler-Nistkasten ist eine künstliche Nisthöhle, die an der Hausfassade oder unter dem Dachvorsprung montiert wird — möglichst hoch (mind. 5 Meter), mit freiem Anflug und Einflugsloch in Richtung Osten oder Norden.
Die gute Nachricht: Mauersegler sind sehr treu zu ihren Nistplätzen. Wenn ein Kasten einmal angenommen wird, kommen dieselben Vögel Jahr für Jahr zurück.
Die Herausforderung: Es braucht manchmal 2–3 Jahre bis Mauersegler einen neuen Kasten akzeptieren. Geduld ist gefragt. Lockmethode: Tonaufnahmen von Mauersegler-Rufen in der Nähe abspielen.
Was du brauchst
- Mauersegler-Nistkasten (aus dem Handel oder selbst bauen — Pläne online)
- Montage mind. 5 Meter Höhe, freier Anflug (keine Äste, kein Balkon davor)
- Einflugsloch: ca. 5 cm breit, 3 cm hoch (Mauersegler landen nicht — sie fliegen direkt hinein)
- Möglichst in Gruppen montieren: 2–4 Kästen nebeneinander erhöhen die Chance auf Besiedlung stark
Bio-Hero Challenge
Mauersegler-Nistkasten montieren ist eine der anspruchsvolleren Bio-Hero Challenges — und bringt entsprechend 225 Punkte. Für die Montage brauchst du eine Leiter oder einen Gerüst-Zugang, aber der Aufwand lohnt sich. Wer einen besiedelten Kasten fotografiert, kann zusätzlich eine Seltene-Sichtung-Challenge einlösen.
Wusstest du? Mauersegler können über 20 Jahre alt werden — und kommen ihr ganzes Leben lang zum selben Nistplatz zurück. Wenn du einen Kasten montierst, schaffst du möglicherweise einen Nistplatz für Jahrzehnte.
Quellen: BirdLife Schweiz, Mauersegler.ch, Wikipedia Mauersegler, AKAD Magazin
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