Sandarium: Warum 75% der Wildbienen im Boden nisten — und wie du ihnen hilfst
In der Schweiz leben über 600 Wildbienenarten — und fast keine von ihnen schaut jemals in ein Insektenhotel. Denn rund 75% aller Wildbienenarten nisten nicht in Holz oder Stängeln, sondern im Boden. Genauer: in selbst gegrabenen Tunneln in sandigem, lockerem Erdreich.
Das Problem: In unseren Gärten gibt es kaum noch offenen Boden. Überall Rasen, Mulchschichten, Betonplatten, Unkrautfolien. Für die wichtigste Gruppe unserer Wildbienen gibt es schlicht keinen Platz mehr zum Nisten.
Die Lösung heisst Sandarium — und es ist einfacher anzulegen als du denkst.
Was ist ein Sandarium?
Ein Sandarium ist eine offene, lockere Sandfläche an einem sonnigen Standort. Das wars. Keine komplizierten Bauanleitungen, keine teuren Materialien. Einfach sauberer Sand, der für Erdbienen zugänglich und die ganze Saison besonnt ist.
Die häufigste Erdbienenart der Schweiz, die Gemeine Seidenbiene (Colletes cunicularius), fliegt bereits im März — als eine der ersten Wildbienen des Jahres — und ist auf genau solche Strukturen angewiesen.
Warum 45% auf der Roten Liste stehen
Die Situation der Wildbienen in der Schweiz ist ernst: Laut dem Bundesamt für Umwelt (BAFU) stehen rund 45% der Schweizer Wildbienenarten auf der Roten Liste. Besonders betroffen sind Bodennister und Blütenspezialisten.
Die Ursachen:
- Versiegelung von Böden (kein Nistplatz)
- Intensivlandwirtschaft (kein Nahrungsangebot)
- Pestizide
- Verlust einheimischer Blühpflanzen
Ein Sandarium allein löst das nicht — aber es ist ein konkreter, messbarer Beitrag, den du heute noch machen kannst.
Sandarium anlegen: Schritt für Schritt
Was du brauchst:
- Feiner, ungedüngter Sand (Bausand oder Quarzsand, keine Kiesel)
- Eine sonnige Stelle im Garten (mind. 4–5 Stunden direkte Sonne täglich)
- Optional: alte Holzbretter oder Steine als Einfassung
- Fläche: mindestens 50 × 50 cm, grösser ist besser
Anleitung:
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Standort wählen: Süd- oder Südwestlage, möglichst windgeschützt. Die Sonne ist entscheidend — sie erwärmt den Sand und macht ihn für Bienenlarven überlebensfähig.
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Boden vorbereiten: Obere Grasschicht und Erde (ca. 30 cm) ausheben. Kein Unkrautvlies einlegen — die Bienenlarven brauchen direkten Zugang zum Mineralboden darunter.
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Sand einfüllen: Den ausgehobenen Bereich grosszügig mit Sand füllen. Leicht andrücken, aber nicht verdichten. Die Oberfläche sollte locker und offen bleiben.
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Freilassen: Hier wird nichts bepflanzt, nicht geharkt, nicht gewässert. Das Sandarium soll trocken, offen und ungestört bleiben. Das ist das Schwierigste für viele Hobbygärtner:innen!
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Optional: Einige Flachsteine in die Nähe legen — sie wärmen sich schnell auf und dienen als Sonnenplatz für ankommende Bienen.
Was passiert dann?
Wenn die Erdbienenweibchen das Sandarium gefunden haben, graben sie kleine Tunnel (5–20 cm tief), legen ein Ei hinein, füllen die Kammer mit Pollen und verschliessen den Eingang. Im nächsten Frühling schlüpft eine neue Generation.
Das Sandarium nutzt der Gemeinschaft: Im Umkreis von 500 Metern werden Erdbienenarten angelockt, die bestimmte Wildblumen bestäuben, die wiederum Nahrung für andere Insekten, Vögel und Säugetiere sind. Ein Sandarium zieht eine ganze Nahrungskette nach sich.
Bio-Hero Challenge: Sandarium anlegen
Das Anlegen eines Sandariums ist eine der wirkungsvollsten Bio-Hero Challenges — und wird mit 175 Punkten belohnt. Einfach das fertige Sandarium fotografieren, hochladen, und Punkte kassieren. Noch spannender: Wenn im Frühling die ersten Erdbienen einziehen, gibt es mit dem Foto der Bewohnerinnen Bonus-Punkte.
Wusstest du? Im Kanton Zürich gibt es über 400 Wildbienenarten — mehr als Vogelarten in der gesamten Schweiz.
Quellen: BAFU Rote Liste Bienen 2024, Wildbee.ch, Natur im Siedlungsraum (NIMS)
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